Pferdemusical - "Russische Phantasien"
     
 
Wir sind im Land der Russen, dem Land, das fast so groß ist wie das Land der Phantasie.
 
Hier leben unzählige Stämme in Eintracht und Harmonie seit Urzeiten ihr tägliches, karges Leben im friedvollen Miteinader.
Die Phantasie lebt ein üppiges, reiches Leben:
 
 
 
Die Menschen erzählen sich von Baba Jaga, dem Großmütterchen Knochenbein, die bald bedrohlich, bald hilfreich, bald weise und gut den Menschen begegnet; oder vom Feuervogel, von dem man nicht weiß, ob er Glück oder Unglück bringt; oder von Koschtschej, der Unbesiegbare, der eigentlich unsterblich ist, wenn man nicht seinen Tod findet:
Seine außerhalb seines Körpers aufbewahrte Seele.
 

 
 
Im sonnigen Monat Juni feiern zwei befreundete Familien mit Spiel, Gesang und Tanz ein Freudenfest.
Der Höhepunkt eines solchen Festes ist der Brauttanz, wenn wieder einmal zwei junge Menschen in Liebe füreinander entbrannt sind und ihren Stammesfürsten erklären, dass sie gemeinsam den Lebensweg miteinander gehen wollen.
 
Es ist der große Tag von Jasminotschka, der Tochter des Stammesfürsten Wjtko von den Wjatitschen und Iwan, einem einfachen Bauern vom Stamm der Dregowitschen.
 
 Jasminotschka ist klug, liebreizend und schön. Iwan ist ein Träumer, aber immer guter Dinge und mit einem fröhlichen Herzen.  
 
 
Alle Stammesmitglieder wünschen den beiden Glück und Segen für die Zukunft und
freuen sich auf den krönenden Abschluss des Festes: Auf den Brauttanz.
 
 
 
Auf einmal fängt die Erde an zu beben und es breitet sich eine grimmige Kälte über Land und Menschen aus.
Ein wilder Reiter auf seinem frostweißen Pferd prescht heran. Es ist Kaschtschej, der mächtige und gefährliche Verwüster aus dem Eis-Nebel-Reich.
 
Wo er auftaucht bleibt Kälte in den Herzen der Menschen zurück, Verwüstung und erstarrte Ödnis. Wie ein böser Fluch legen sich Hass und Misstrauen über die Menschen, die bisher so friedlich miteinander gelebt haben.
 

 Den beiden Liebenden, Jasminotschka und Iwan kann der Eiswind nichts anhaben. Sie sehen sich an mit Augen voller Tränen.

Da braust erneut der wilde Reiter Koschtschej heran und reißt Jasminotschka von Iwan los, um sie in sein eisiges Reich zu entführen und zu seiner Frau zu machen. 
   
 
Iwan ist wie durch ein Wunder von dem Eiswind verschont geblieben. In seinem Herzen schlägt immer noch die große Liebe zu Jasminotschka. Er weiß, Koschtschej muss vernichtet werden. Dann erst kann die wärmende Liebe wieder einziehen in die Herzen der Menschen.
 
   
Da sieht er aus der Ferne einen kleinen Reiter auf sich zukommen. Iwan fühlt sein Herz heftiger schlagen. Es ist Jannicus, der immer dann ganz nah ist, wenn wir bereit sind unserem Herzen zu folgen.
Iwan vernimmt eine sanfte Stimme: „Iwan, dein Sehnen ist groß, es ist das Sehnen nach der Liebe; und da es so groß ist wirst du Erfüllung finden. Folge mir nach, verlasse dich auf mich. Ich schicke dir einen Freund. Er heißt Alioscha und wird dich begleiten. Wo du nicht mehr weiter weißt, wird er für dich einstehen.“
 
 Wirklich – ein junger Reiter kommt auf Iwan zu und lächelt ihn strahlend an.
Er gibt ihm eine glänzende Spiegelscherbe mit den Worten: 
 
  „Diese Spiegeloscherbe soll für immer ein Zeichen sein, dass es noch Wärme, Freundschaft und Liebe in der Welt gibt. Sie wird uns führen. In ihr siehst du den Weg, den du gehen musst.“ 
 
Die Freunde galoppieren los, nicht wissend, was sie erwartet.
 
   
 
Zuerst begegnen sie der Baba Jaga, dem Großmütterchen Knochenbein. 
 
 
 
 
Iwan klagt ihr sein Leid. Überzeugt von Iwans großer Liebe sagt sie freundlich: „Du hast Glück, heute ist der 21. Tag des Junimondes, es ist der Tag der Liebenden.
Der wahrhaft Liebende wird sein Ziel erreichen. Gehe dahin, wo der Feuervogel singt!“
 
An einem weit entfernten Ort ist die Welt des Feuervogels.
Bis weit in andere Reiche hört man seine Stimme. Mit seinem prächtigen rot-gold-gelben Federkleid erfreut er die Menschen und erfüllt ihre Herzen mit Wärme und Liebe.
 
 Aber einst – so erzählt man – wollte ein Jäger den Vogel besitzen und schoss einen Pfeil auf ihn ab. Der Feuervogel schrie laut auf vor Schmerzen und zog sich schreiend an diesen weit entfernten Ort zurück.
Seither erschreckt sein kreischender Schrei die Menschen. Die Wärme in ihren Herzen stirbt und Angst und Schrecken nehmen ihren Platz ein.
 
 
 
 
Iwan reitet mutig weiter. In der Spiegelscherbe sieht er ein rot-gold-gelbes Licht. Er weiß, dieses Licht, diese Farben, muss er finden. Da hört er ein frohes Singen.
Der Feuervogel taucht vor ihm auf; mit seinen Begleitern: den 7 Schattentieren, 3 Affen und seinen 6 Feuervogelkindern.
 
   

Iwan ist beim rot-gold-gelben Licht angekommen. Er sieht vor sich im Sand drei leuchtende Federn. Er hebt sie auf und überreicht sie dem Feuervogel.

Als bald schließt sich die Wunde, die der Pfeil des Jägers dem vogel zugefügt hat und verwandelt alles was an ihm Unheil und Unfrieden gebracht hat in Frieden, Wärme und Liebe.

 
Voller Vertrauen bittet Iwan den Feuervogel um Hilfe.
 
 
Iwan muss warten können. Deshalb versetzt ihn der Feuervogel in einen todesähnlichen Schlaf. Im Traum erfährt er, wie Jannicus dem Feuervogel hilft, den Kampf gegen Koschtschej aufzunehmen und in sein Eis-Nebel-Reich einzudringen.
   
 
Koschtschej hat eine liebreizende Tochter: Wasilisa. Sie ist voller Güte und Mitgefühl.
Ihr kann das Reich ihres Vaters nichts anhaben.
 
   
Durch ihre Herzenswärme und Liebe zu Jasminotschka ist deren Erinnerung und Sehnsucht nach Iwan, ihrem Bräutigam; nicht erloschen.

 

Plötzlich spürt Koschtschej, dass eine nie gekonnte Wärme seinem Eisreich
Gefahr bringt und sammelt seine Krieger um sich.

 

 
 Der Feuervogel und seine Schattentiere sind in sein Reich eingedrungen.
Die Krieger werden von der Wärme, die ihre Herzen schmerzhaft berühren, orientierungslos und fliegen Ihre aufgetauten Herzen zerspringen.
   

 

 

Koschtschej spürt durch die Nähen des rot-gold-gelben Lichtes des Feuervogels seine Macht schwinden.

Er will Jasminotschka nicht verlieren, denn ohne sie ist seine Macht unvollkommen.

 

   
 
 Er zieht magische Kreise um Janminotschka. Wasilisa aber löst die Kreise immer wieder auf. So kann Jasminotschka, von der Liebe zu Iwan beflügelt, fliehen.
   
Damit Koschtschej aber wirklich besiegt werden kann muss seine Seele gefunden werden.
Sie soll unter dem ewigen Eis in einem Ei verborgen sein.
Erneut greift Jannicus ein.
 
 
Ein hübsches Mädchen erscheint mit einem Glaskästchen, darin ist eine purpurrote Blume, eine Wunderblume.
Die Blume verzaubert mit ihrem Duft die Menschen, bringt ihnen Freude an allem Schönen und Guten. Sie kann das härteste Eis zum Schmelzen bringen.
 
   

 

Schneeflöckchen, so heißt das Mädchen, kann mit Janicus‘ Hilfe die Wunderblume aus dem Kästchen befreien, in das es Koschtschej es eigeschlossen hat. Es gelingt Schneeflöckchen die Blume in das Eisreich einzupflanzen.

Die Kraft der Blume lässt Kälte und den Eisnebel verschwinden. Das Eisland schmilzt durch die Wärme der pururroten Blume.

 

   
 
Iwan erwacht aus seinem langen Schlaf und findet vor sich eine Blume und ein Nest mit 7 Eiern.
Berauscht vom Duft der Blume wirft er ein Ei nach dem anderen in die Luft. Beim Zerbersten des 7. Es geschieht das Unfassbare:

 

Die Seele von Koschtschej ist frei und der Unsterbliche ist sterblich.

 

 
Koschtschej’s Pferd bäumt sich auf und jagt mit dem Besiegten auf und davon.
   

 

Iwan sieht beim erneuten Blick in die Spiegelscherbe seine verliebten Augen und daneben die verliebten Augen seiner geliebten Jasminotschka.

 

     
Er hört von allen Seiten ein Lärmen und Lachen. Die Familien der Wjatischen und Dregowitschen umringen das Liebespaar und sind wieder friedlich vereine.
Endlich können alle diesen Tag mit dem Brauttanz krönen und bald kann die Hochzeit gefeiert werden.
   
Iwan singt seinem Volk sein schönstes Lied:
„Meine Familie ist da, wo der Himmel weit ist!
Meine Familie ist da, wo Gott mich hinstellt zu Menschen, Tieren, Gesunden, Kranken, Lebenden und Toten…
Meine Familie ist da, wo ich sagen darf: Ich bin! Ich bin der, der ich jetzt hier bin. Mit offenem Sinn! Mit meiner Vergangenheit und Zukunft, Vorzügen und Fehlern, mit meiner Kraft, mit meiner Schwäche, - Jenseits von Gesetzen, von Verboten …
Meine Familie ist da, wo die Zärtlichkeit die treibende Kraft zum Handeln ist…
Überall da in der Welt ist meine Familie, wo die Liebe Tat wird….